Videokonferenzen stressen und machen müde

Videokonferenzen: enormer Stress für diese 2 Personengruppen

Hier gibt es 10 einfache Tricks für sofort weniger Stress in Videokonferenzen.

Zoom, Skype, FaceTime, Microsoft Teams…. Sie kennen sie alle. Und Sie nutzen sie wahrscheinlich täglich. Softwares für Videokonferenzen sind eine der großen Gewinner der Corona-Pandemie. Denn Videokonferenzen helfen Ihnen, auch von daheim Ihre Arbeit zu erledigen und mit der Welt vernetzt zu bleiben. Im Grunde ist es super praktisch. Sie brauchen sich nicht aus dem Haus bewegen, sparen sich die Fahrerei ins Büro oder zu Ihren Kund*innen und müssen sich noch nicht einmal duschen und vollständig anziehen. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Und die trifft besonders zwei Personengruppen. Gehören Sie zu ihnen?

Inhaltsverzeichnis:

  1. Praxisbeispiel 1: die Erfahrung einer Kundin
  2. Praxisbeispiel 2: meine eigene Erfahrung
  3. Perfektionisten und Frauen sind in Videokonferenzen am meisten gestresst
  4. 10 einfache Tricks für stressfreiere Videokonferenzen
  5. Fazit

1. Praxisbeispiel 1: die Erfahrung einer Kundin

„Wenn ich per Video-Call an einem Meeting teilnehme, bin ich immer super nervös. Ich merke, wie ich rot werde und schwitze, mich verkrampfe und kaum noch weiß, was ich sagen will. Ich trage extra Make-up auf, damit keiner sieht, wie rot ich werde und habe das Gefühl, ich habe null Ahnung“, schilderte mir eine meiner Kundinnen, wie es ihr bei Videokonferenzen geht. Ich war im ersten Moment baff, denn ich habe sie selbst in ihrem Beruf als souveräne Expertin auf ihrem Gebiet erlebt. „Ich denke auch, dass das, was ich sage und tue, doch jeder kann“, fügte sie noch hinzu. 

Bei Meetings vor Ort – also völlig altmodisch von Angesicht zu Angesicht – geht es ihr nicht so, sagte sie mir. Also gingen wir dem Ganzen auf den Grund und kamen schnell zum ursächlichen Problem: 

In Videokonferenzen sehen wir uns ständig selbst. Es ist, als ob wir permanent in den Spiegel schauen, als ob uns einer nachäfft. Wir fühlen uns unwohl, wenn wir auf Dauer gespiegelt werden. Und genau das passiert aber, wenn wir uns in Videokonferenzen selbst sehen. 

2. Praxisbeispiel 2: meine eigene Erfahrung

Als ich vor vielen Jahren noch für ein internationales Unternehmen arbeitete, hieß es von unseren Chefs immer, dass wir, wenn wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen im Ausland sprechen, bitte Videotelefonie nutzen sollen. Das würde das Teamgefühl fördern. Ich habe das gehasst! Ich fühlte mich so unwohl dabei, dass ich es immer mied und Ausreden fand, weshalb ich die Videofunktion nicht nutzte. Wenn es gar nicht zu verhindern war, dann ertappte ich mich dabei, dass ich extrem angespannt war, ständig einen prüfenden Blick auf mein eigenes Bild warf und völlig unnatürlich sprach und agierte. Ich durchlief damals die gleiche Situation wie meine Kundin heute noch.

3. Videokonferenzen stressen am meisten Perfektionisten und Frauen

Nun erlebt nicht jeder Videokonferenzen so wie meine Kundin oder ich damals. Und nicht bei jedem sind solche Erfahrungen gleich stark ausgeprägt. Mit am härtesten trifft es aber Menschen, die unter dem Impostor-Syndrom leiden. Es tritt vielfach in Zusammenhang mit dem Drang nach Perfektionismus auf. Laut einer gemeinsamen Studie der US-amerikanischen Stanford University und der schwedischen University of Gothenburg fühlen sich zudem Frauen häufiger erschöpft und müde nach einer Videokonferenz, als Männer.

Videokonferenzen machen Frauen müde

4. 10 einfache Tricks für stressfreiere Videokonferenzen

Gehören Sie zu diesen beiden Personengruppen? Fragen Sie sich, wie Videokonferenzen besonders für Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus und zu Selbstzweifeln weniger anstrengend sein können? Dann habe ich hier zehn Tipps, die Sie durchaus auch abseits der Videokonferenzen anwenden können:

  1. Blenden Sie in Videokonferenzen die Selbstansicht aus, nachdem Sie die Kameraansicht korrekt eingestellt haben.
  2. Machen Sie sich auch unabhängig von Videokonferenzen bewusst, was Sie in Ihrem Leben bereits geleistet haben, welche Erfolge Sie verbuchen können und wegen welcher Fähigkeiten ausgerechnet Sie für eine bestimmte Position, einen Auftrag oder eine Aufgabe ausgewählt wurden. Was macht Sie einzigartig?
  3. Erinnern Sie sich daran, dass man mit Ihnen spricht und Sie zu diesem Projekt oder Auftrag hinzugezogen hat, weil Sie Dinge können, die der Auftraggeber oder Vorgesetzte selbst nicht kann oder zumindest nicht so gut kann, wie Sie. Vergessen Sie den Gedanken, dass alle anderen das, was Sie tun, auch tun könnten. „Wenn wir in allem gut wären, würden wir uns nicht gegenseitig brauchen“, bringt es der britisch-amerikanische Autor und Unternehmensberater Simon Sinek auf den Punkt. Schließlich gehen Sie doch auch ins Restaurant oder lassen sich Essen liefern, obwohl Sie gut und gern zu Hause selbst kochen könnten. Oder?

„Wenn wir in allem gut wären, würden wir uns nicht gegenseitig brauchen.“

Simon Sinek
  1. Prüfen Sie die Anzahl und Dauer der Video-Meetings. Wie viele Videokonferenzen sind wirklich notwendig? Muss jedes Teammitglied an jedem Meeting teilnehmen? Genügt eine Videokonferenz pro Woche, in dem Themen gebündelt besprochen werden? Planen Sie maximal 45 Minuten pro Videotelefonie ein. Nehmen Sie sich wenigstens 15 Minuten Pause bis zum nächsten Termin. Das schafft Puffer für Eventualitäten und hilft Ihnen, Ihren Fokus auf das nächste Thema zu lenken.
  2. Begeben Sie sich während der Videokonferenz hin und wieder in eine videofreie Phase. Schalten Sie die Videofunktion aus und wechseln Sie in den Audio-Modus. Das bietet Ihnen außerdem die Gelegenheit, sich so zu bewegen, als ob Sie telefonieren würden. Sie werden lockerer und das spüren auch die anderen Teilnehmer der Videokonferenz.
  3. Wenn angebracht, dann nehmen Sie Ihren Videokonferenztermin doch mit auf einen Spaziergang. Das hat gleich zwei positive Effekte: Sie bewegen sich, fördern damit Ihre Konzentration und Ihr Denkvermögen, und sind dank der Bewegung entspannter. Und: Sie dürften Ihre Gesprächspartner inspirieren, es Ihnen beim nächsten Mal gleichzutun. 
  4. Beziehen Sie Mimik, Gesten und Reaktionen der Videokonferenzteilnehmer nicht permanent auf Sie selbst. Die Natur der Videokonferenz liegt nun einmal darin, dass Sie nur einen kleinen Bildausschnitt sehen. Sie sehen nicht, was sonst im Raum geschieht. Schaut Ihr Gesprächspartner beispielsweise von Ihnen weg, so interpretieren Sie es wahrscheinlich gern so, dass Ihr Gerede ihn oder sie nicht interessiert. Aber: Sie wissen nicht, was wirklich im Raum geschieht. Es kann genauso gut sein, dass der vierjährige Sohnemann gerade dabei ist, das Meißner Porzellan vom Tisch abzuräumen.
  5. Wenn Sie merken, dass Ihnen Zweifel an Ihnen selbst kommen oder Sie glauben, es nicht perfekt zu machen, dann wechseln Sie die Perspektive. Stellen Sie sich vor, Sie wären Ihr bester Freund oder Ihre beste Freundin. Was würden sie zu Ihnen sagen?
  6. Natürlich können Sie weiterhin versuchen, alles perfekt zu machen und beispielsweise die Präsentation zum tausendsten Mal überarbeiten. Aber seien Sie ehrlich: die Präsentation wird NIE perfekt sein, da können Sie noch so oft daran arbeiten. Werden Sie sich bewusst: niemand ist perfekt, und in Zeiten einer Pandemie schon gar nicht.
  7. Denken Sie daran: Ihren Gesprächspartnern geht es wahrscheinlich ähnlich wie Ihnen. Wir sitzen in dem Punkt alle im selben Boot.

Niemand ist perfekt, und in Zeiten einer Pandemie schon gar nicht.

Noch einmal zurück zu meinen eigenen Erfahrungen. 

Mittlerweile bin ich sattelfest was Videokonferenzen angeht. Schließlich gehören sie zu meinem Tagesgeschäft. Meine damalige Nervosität und mein innerer Widerstand gegen Videokonferenzen haben sich in Luft aufgelöst. Das zeigte sich für mich sehr deutlich, als ich vor einigen Monaten folgendes erlebte:

Ich wurde mit einen Online-Vortrag vor der Belegschaft eines mittelständischen Unternehmens beauftragt. Ein paar Tage zuvor wollte mich der Geschäftsführer online kennenlernen – absolut verständlich! Sein Wunsch wurde mit den Worten eingeleitet: „Wir wollen sehen, ob du auch bildschirmtauglich bist“. Früher wäre ich nervös geworden, weil es genau in die alte Kerbe schlug. Aber stattdessen passierte in mir folgendes: Ich sagte zu mir: „Sie kriegen das, was sie sehen. Etwas anderes gibt es bei mir nicht“.

5. Fazit

Perfektionisten und Selbstzweifler fühlen sich in Videokonferenzen besonders gestresst. Ein simpler Grund liegt darin, dass sie sich in der Selbstansicht ständig selbst sehen. Dieses Spiegeln verstärkt den Drang, makellos rüberzukommen und alles perfekt zu machen. Kleinste Unvorhersehbarkeiten und selbst das natürliche Verhalten, wie beispielsweise sich durch die Haare fahren oder mal ins Gesicht fassen, werfen sie aus der Bahn, lassen sie verkrampfen und unnatürlich erscheinen. Sie wollen eben perfekt dastehen und nicht durch Mimik und Gesten vermeintlich unsicher wirken. Selbstzweifel sind die Folge. Perfektionisten fragen sich permanent: wie komme ich rüber, was denken die anderen über mich, sage ich etwas Gehaltvolles oder etwas Dummes, kann das nicht jeder tun, was ich tue? Sie sind in einem Kreislauf gefangen.

Frauen fallen häufiger in die Kategorie Mensch, die an sich selbst zweifeln, die immer alles richtig machen und allen helfen wollen. Sie nutzen zudem die nonverbale Kommunikation stärker als Männer es tun, um Situationen einzuordnen. Diese Signale sind in Videokonferenzen allerdings eingeschränkt. Als Folge dessen fühlen sich Frauen in Videokonferenzen öfter müde.

Aber es gibt Wege, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Einige der oben genannten Tipps treffen unmittelbar auf Videokonferenzen zu und andere können Sie durchaus auch in anderen Situationen anwenden. Was Ihnen am ehesten hilft, als Perfektionist oder Selbstzweifler in Videokonferenzen weniger gestresst zu sein, müssen Sie selbst herausfinden. Aber wenn Sie wollen, dann helfe ich Ihnen sehr gern, die für Sie richtige Lösung zu finden. Schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an.

Quelle

„Nonverbal Mechanisms Predict Zoom Fatigue and Explain Why Women Experience Higher Levels than Men”; Géraldine Fauville, Mufan Luo, Anna C. M. Queiroz, Jeremy N. Bailenson, Jeffrey Hancock; veröffentlicht: 14. April 2021, https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3820035

Bilder: Canva Pro

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